Paul Belzer, ehemaliger Dornier Stipendiat am Birklehof (Abi 2017)

Auf die Frage, welchen Tipp er potentiellen Dornier Stipendiaten mit auf den Weg geben würde, antwortete Paul: "Der Besuch eines Internates ist auf jeden Fall eine einmalige Erfahrung. Es fühlt sich an wie drei Jahre Klassenfahrt! Darüber hinaus eröffnet es Chancen auf eine einmalige Gemeinschaft. Wer sich mit dieser Vorstellung anfreunden kann, dem kann man die Bewerbung für ein Stipendium nur empfehlen."


Wer oder was hat dich damals dazu bewogen, dich für ein Dornier Stipendium zu bewerben?
Ursprünglich hatte ich mich für ein Auslandsstipendium in Klasse 10 beworben. Auf der Suche nach zusätzlichen Informationen bin ich auf das Dornier Stipendium verbunden mit dem Besuch einer Round Square Schule aufmerksam geworden.


An welchem Internat fand damals deine Auswahltagung statt? Wie war das Auswahlwochenende für dich?
Die Auswahltagung fand am Internat Sankt Afra statt. Bereits dort hat die Delegation des Birklehofs einen bleibenden Eindruck auf mich hinterlassen.


Wie schwer fiel es dir, deine Heimat zu verlassen und ins Internat zu gehen?
Gerade dieser initiale Schritt ist glaube ich der schwerste.


Wie waren die ersten Internatswochen für dich? Wie entwickelte sich das Internatsleben im Laufe der Zeit?
Anfangs war es eine riesige Umstellung und es fiel mir zunächst schwer, sich an all das Neue zu gewöhnen. Mit der Zeit haben sich neue Freundschaften entwickelt und die gemeinsamen Erlebnisse haben uns zusammengeschweißt.


Wie hast Du Dich charakterlich in der Internatszeit verändert?
Ich wurde selbständiger und verantwortungsbewusster.

Was hast du im Internat auf sozialer Ebene gelernt?
Im Internat lebt sich Gemeinschaft 24h lang. Gemeinsame Probleme werden gemeinsam gelöst, man lernt im Team zu arbeiten und Stärken und Schwächen jedes Einzelnen zu erkennen und mit diesen umzugehen.

Paul mit 17 Jahren beim Besuch von Moritz von Uslar
Paul mit 17 Jahren beim Besuch von Moritz von Uslar

Wie hat Sich Dein Umgang mit Menschen verändert?
Ich verhalte mich jetzt noch sensibler und teamfähiger. Wie man mit Menschen umgeht, beeinflusst zwar auch einen selbst aber hauptsächlich eben den anderen. Ich glaube hier habe ich Wichtiges dazulernen können.


Hast du im Internat Freundschaften geknüpft? Inwiefern sind dies eventuell besondere Freundschaften und unterscheiden sich von anderen?
Ja, auch einige, von denen ich glaube, dass sie lange, wenn nicht sogar für immer halten. Freundschaften am Internat sind generell intensiver, weil man den Alltag mit allen Höhen und Tiefen miteinander teilt.


Ist die Verbindung zu Mitschülern aus der Schule, in der du vor deiner Internatszeit warst, eine andere?

Ja, einige Verbindungen haben sich durch die Distanz noch verstärkt, andere sind verloren gegangen.


Welche Regeln und Rituale gab es in deinem Internat?
Besonders das Weihnachtsessen, bei dem Lehrer die Schüler bedienen bleibt einem in Erinnerung. Aber auch die „Schwofs“ und der „Birklehofcup“, die von den Schülern organisiert werden, haben ihren festen Platz im Internatsleben.


Wie war es für dich, dass man sich im Internat an bestimmte Regeln halten muss?
Zuhause gibt es auch Regeln, da fällt einem das Gewöhnen an neue nicht so schwer.


Was unterscheidet ein Internat aus deiner Sicht von einer herkömmlichen Schule?
Die Intensität der Kontakte. Das kann gute und schlechte Seiten haben.


Wo liegen die Unterschiede zu einer Ganztagsschule?

Am Internat hat man die Möglichkeit, sich selbst nach zehn Stunden gemeinsamen Unterrichts noch mit seinen Freunden zum Sport oder Lernen zu treffen. Keiner muss nach Hause; es sind einfach alle bereits da.


Wie haben es Unterricht und Pädagogen im Internat geschafft, Dich zu fesseln?
Einige Lehrer sind sehr begeistert von ihrem Fach und haben am Birklehof die Möglichkeit, diese Begeisterung auszuleben. Das kann schnell anstecken.


Unterscheiden sich Lehrer an Internaten grundsätzlich von Lehrern an herkömmlichen Schulen?
Die Betreuung und die Kommunikation war intensiver, da die Lehrer mit auf dem Campus lebten.


Was hat sich durch die bisherige Internatszeit in deinem Leben verändert?
Das Erlebnis der Gemeinschaft war prägend. Ich werde auch in der Studienzeit wohl eher in einer WG leben wollen, als alleine.


Welches Erlebnis aus deiner Internatszeit ist dir bislang besonders in Erinnerung geblieben?
Ich war “Round Square Representative” der Schule Birklehof am “Round Square European Meeting 2016”. Das Gefühl mit internationalen Schülern gemeinsam Probleme und Lösungsmöglichkeiten zu diskutieren war faszinierend.


Was lernt man im Internat fürs Leben, das sich nicht in bestimmten Schulfächern ausdrücken lässt?
Selbständigkeit und Verantwortung.


Welche Interessen hattest du vor dem Internat und wie konntest du sie in Deiner Heimat ausleben?
Ich habe gerne Sport gemacht. Bei mir zuhause war dies nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln möglich. Auch zum Musikunterricht musste ich gefahren werden. Dies war im Internat kein Problem, da alles vor Ort war.


Wie haben sich deine Interessen in deiner Internatszeit entwickelt?
Am Internat ist manches einfacher, zum Beispiel in Bezug auf Freunde und Gesprächspartner oder gemeinsam zum Sport zu gehen. Andererseits es aber auch schwerer, da es ein festes Rahmenprogramm gibt, das nicht viel Zeit für Möglichkeiten außerhalb des Campuslebens zulässt.


Dadurch musste ich vorherige soziale Aktivitäten in der Heimat deutlich einschränken und habe mich stattdessen im Internat vor Ort zum Beispiel um Grundschüler gekümmert.


Wie entstand dein Interesse für krebsranke Menschen?
Ich hatte ein prägendes Erlebnis zur WM 2006, als ich mit einem krebskranken Jungen ähnlichen Alters Fußballbildchen getauscht habe.


Was hast Du in dem Bereich schon für Erfahrungen gemacht?
Ich habe in der Krebsabteilung Praktika gemacht und engagiere mich in verschiedenen Projekten aktiv in meiner Heimatstadt Jetzt aktuell nach dem Abitur bin ich an einem Forschungsprojekt an der Uniklinik vor Ort zum Thema Entstehung und immunologische Therapieansätze bei Darmkrebs beteiligt.


Welche Aktivitäten außerhalb des Unterrichts hast Du im Internat ausgeübt und welche gefielen Dir am besten?
Ich war Klassen- und Kurssprecher und stellvertretender Schülersprecher. Im AG Bereich habe ich die Leitung der Volleyball AG übernommen. Im Winter waren wir nachmittags Skifahren und im Sommer Fußball- und Tennisspielen. Besonders gefallen hat mir die Teilnahme am Wettbewerb „Jugend debattiert“.


Machst du dir jetzt schon Gedanken über dein späteres Berufsleben? Falls ja, in welche Richtung möchtest Du gehen?
Jeder junge Mensch in meinem Alter macht sich vermutlich Gedanken über seine Zukunft. Ich schwanke noch zwischen verschiedenen Studiengängen.


Wurdet Ihr im Internat in irgendeiner Form auf das Berufsleben / Studium / Fächerwahl vorbereitet? Wenn ja wie?
Das von der Schule organisierte Berufsberatungswochenende ist in diesem Zusammenhang sehr interessant und hilfreich gewesen.


Hast du während deiner bisherigen Internatszeit ein berufliches Praktikum absolviert? Falls ja, wie war das?
Ich habe ein Berufsfindungspraktikum bei SAP absolviert. Obwohl ich viel gelernt habe, hat es mir aber deutlich gezeigt, dass ein reiner Schreibtischjob nichts für mich ist.


Glaubst du, dass du gegenüber deinen Mitmenschen Vorteile hast, weil du einen Teil deiner Schulzeit im Internat verlebt hast? Wenn ja, welche?
Durch das Teamleben im Internat wird die Zusammenarbeit mit Menschen deutlich einfacher. Projektarbeit und Teamwork werden im Internat 24h/Tag gelebt und nicht nur stundenweise in der Schule gelernt.


Wie hat sich deine Beziehung zu deiner Familie durch das Internat verändert?
Zunächst fiel mir die Distanz und nur alle drei Wochen nach Hause zu fahren nicht leicht. Mit zunehmender Selbständigkeit gelang dies aber immer besser. Wochenenden und Ferien wurden dadurch kostbarer.


Ermöglichten dir Zeiten wie verlängerte Ferien und Wochenenden es gut, den Kontakt zur Heimat zu halten?
Beziehungen zu alten Freunden aus der Schule veränderten sich. Manche verloren sich auch. Das ist auch mit längeren Ferien nicht immer abwendbar.


Erlebtest du die Zeiten zu Hause vielleicht sogar intensiver als früher?
Ja, wenn ich dann mal zuhause war, stand ich immer im Mittelpunkt und sollte erzählen, was es so Neues am Internat gäbe.


Würdest du wieder auf ein Internat gehen, wenn du die Wahl hättest?
Ja, für mich war es definitiv die richtige Entscheidung.


Würdest du anderen empfehlen, ein Internat zu besuchen?
Ich würde es jedem empfehlen, der selbstbewusst ist und zu dem steht, was ihn ausmacht. So kann man sich auch innerhalb einer starken Gemeinschaft behaupten.


Gibt es in eurem Internat Austauschprogramme bzw. die Gelegenheit, Schüler aus anderen Ländern kennenzulernen?
Ja, mit dem erwähnten Round Square Programm gibt es die Möglichkeit, andere Orte und Kulturen kennen zu lernen.